Das Wetter in Guangzhou ist etwas anders als ich mir das dann doch vorgestellt hatte. Statt blauem Himmel, strahlender Sonne und trockenen 30 Grad gibt es hier – wenn man vor lauter Smog denn auch was sehen kann – grau grünen Himmel, strömenden Regen und schwüle 28 Grad, sodass man am Ende nicht mehr weiß, ob das jetzt Schweiß oder Regen ist, der dafür sorgt, dass das T-Shirt regelmäßig gegen den Körper klatscht und nur widerwillig schlurfend von der Haut weicht.
Die Sache hat aber auch mindestens einen Vorteil. Sobald die grau grüne Wasserwand eine Pause einlegt, strömen die Menschen gleich dem Regen auf die Straßen, füllen die Plätze und nutzen den trockenen Moment dazu, Schildkröten zu angeln, den Hund auszuführen oder den Bauch zu sonnen (letzteres machen hier grundsätzlich nur die Männer; dabei ist ein feister Wanst Grundvoraussetzung, damit der Pullover oberhalb der Bauchkante gut hängen bleibt). Die Momente werden ausgekostet, bis es wieder losgeht und man ist mitten in einem Lebenskonzentrat, was sich wahrscheinlich sonst über den ganzen Tag verteilt. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass der Smog nachher oft weniger stark ist als vorher (weg ist er nicht, er liegt meist immer noch beim fünffachen der empfohlenen Obergrenze).
Letztlich bin ich aber ganz froh, dass mich das Studium an der Business School im nur zwischen Vorlesung und Kneipe hält (letztere ist im Bildungsprozess Chinas nicht zu unterschätzen; nicht nur, das man manchen Blödsinn getrost aus dem Kopf jagen kann, häufig ist auch noch der ein oder andere Dozent anwesend, der nur allzu gern Kontakte ins Ausland knüpft; unglücklich ist dabei vielleicht nur allenfalls die eingeschränkte Trinkfestigkeit).



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