Nicht nur die Bürokratie ist in China gewöhnungsbedürftig. Dies geht soweit, dass sogar die Kompetenz des Stempelns in einen jeweils klar definierten Aufgabenbereich fällt – je Stempel versteht sich. Für mich und meinen Mitbewohner hieß das also, in glücklicher Reihenfolge alle Stempler abzupassen, ohne durch mögliche Kaffee-, Mittags-, Morgens- und Abendpausen ins stocken zu geraten.
Und ja, wie richtig geschlossen werden kann haben wir – d.h. ich und mein neuer Mitbewohner – schon eine Bleibe für die nächste Zeit gefunden. 20. Stock, mit 2 anderen Chinesen, in nächster Nähe zur Uni. Der Ausblick gibt dem Begriff Stadtwald eine völlig neue Bedeutung. Soweit man schauen kann (und da darf man jetzt nicht zu viel hineininterpretieren – Guangzhou ist kein Luftkurort), sieht man Wohnstalagmiten, mal mehr mal weniger hoch, aber immer aus Glas, Stahl und Beton. Dazwischen der Pearl River, der den Distrikt Hai Zhu umfließt. Doppelt so breit wie der Rhein ist er der zweitwasserreichste Fluss Chinas.
Grün findet sich in dem Distrikt allerdings kaum. Eine Ausnahme bildet der Campus der Uni mit zahlreichen Palmen, kleinen Gebäuden, Büschen und Hecken sowie – wär hätte es gedacht – Mandarin(en)bäumen. Rundherum randaliert auf der Straße, dem Schlachtfeld der Stadt, ein Gedränge aus SUVs, Radfahrern, Elektrorollerfahrern, Taxen, Bussen und Fußgängern. Mit vielen kleinen Läden, Leuchtreklame und noch mehr Menschen – alles in allem ein heiterer Moloch.



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