Was dem Deutschen das Mineralwasser, das ist dem Chinesen sein Tee. Tee in jeder Form: Schwarz, grün, rot, Weizen, Jasmin, Chrysantheme – kaum ein Chinese der nicht irgendwie sein Isolierkännchen mit sich führt. Dabei findet sich an fast jeder Ecke ein Trinkwasserspender – allzeit bereit für die Blätter und Kräuter im Kännchen des Teedurstigen (tatsächlich werden die Blätter für mehrere Aufgüsse genutzt – in manchen Restaurants sogar so lange, dass man meint, Chlor sei durchaus auch eine Art Tee).
So hat auch hier in den Vorlesungen jeder sein kleines Kännchen dabei – ich finde hier nur kein Mineralwasser (eine Vorliebe, die nur für die deutschen Studenten gilt; alle anderen wollen aber können das nicht verstehen – wobei, liebe Franzosen, liebe Chinesen – das sei mal gesagt: Am Frosch ist auch nicht so viel dran, als das es sich lohnt den in den Kochtopf zu werfen). Noch dazu kommt, dass man hier neben der Jogginghose gerne im Samtanzug aufschlägt. Das verleiht dem Unterricht nicht nur eine eher ungezwungene sondern sehr entspannte Atmosphäre. Überhaupt ist die Vorlesung sehr offen, diskussionsfreudig und stark von spontanen Eingebungen des Dozenten geprägt (hatten wir vor 5 Minuten noch über die Geschichte des Lao Tse gesprochen, bewegt sich die Diskussion in den folgenden 10 Minuten durch die strategische Positionierung des zweiten chinesischen Flugzeugträgers über die Zweckmäßigkeit des Entscheidens auf Basis von Erinnerungen zu verschiedenen Biersorten in Deutschland).
Dabei ist man hier sehr stolz auf den Ruf der Business School der Sun Yat-Sen Universität und wird nicht müde dies möglich häufig zu betonen. Gleiches gilt für die Dozenten, die es sich nicht nehmen lassen, zur Einführung zu einem ausführlichen Streifzug durch ihre Vita einzuladen, ohne dabei zu vergessen wen sie schon alles getroffen haben (könnten – tatsächlich werden die Grenzen hier etwas verwischt, denn man war schließlich in Harvard, hat an die Tür geklopft, und naja… letztlich zählt der gute Wille – und die eigene Reputation). Die Lehre hier ist dabei trotzdem stark verschult und man verlässt die Vorlesung nicht ohne einen Berg von Hausaufgaben, Gruppenarbeit und Essays. Es herrscht Anwesenheitspflicht und auch die Mitarbeit in der Vorlesung wird bewertet.



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