In Guangzhou steht der Panamera neben dem Karren des Bananenhändlers und die Langversion des A8 parkt auf dem Gehweg zwischen Zeitungsstand und Fleischabfall. Vielleicht gehört dieses Bild eben zu jenem Moloch der Stadt, wo sich alles irgendwie irgendwo einbindet – auf den ersten Blick fand ich die Sache aber doch mehr als befremdlich (und dies ganz abgesehen von meinem Hang zur Sozialromantik). Der zwanzigjährige Fahrer des SL 65 AMG quittiert das Protokoll für das Parken auf der Kreuzung mit einem müden Lächeln und gezwungen wenig Aufmerksamkeit, ist doch seine Zeit viel zu wichtig, als dass
Wirkt die Stadt anfangs wie ein riesiger Melting Pot von arm und reich, Dreck und Glanz, Schweiß und Sauberen Manschetten, so scheint mir, dass eine recht klare, kaum wahrnehmbare, aber umso undurchlässigere Grenze den Alltag der Chinesen durchzieht. Respektiert von beiden Seiten ist das Gefälle groß und die Vorstellung nunmehr umso unfassbarer, wie das Ganze zusammenhält. An irgendwelcher Zurückhaltung ihr Geld zu zeigen fehlt es den Chinesen jedenfalls nicht. Im Club kauft man sich einen großen Tisch, bekommt einen eigenen Security, ein bis zwei zuständige Kellner und lässt tanzen, während man mit dem Smartphone möglichst viele Fotos macht. Ab und zu geht dann der Tischherr, während die käufliche Begleitung vom Tanzen gespielt gelangweilt auf ein Tablet starrt, zum Ort aller Bedürfnisse und schafft durch geräuschvolle Untermalung wieder klare Verhältnisse bzw. Platz für noch mehr Gan Bei (tatsächlich gab es hier zwei Kellner, die für nichts anderes abgestellt waren, als den Wasserhahn zu öffnen oder Papierhandtücher an diejenigen zu verteilen, die nicht mehr ganz so zielgenau das edle Porzellan trafen oder einfach zu langsam waren).
Gleich nebenan fährt der Taxifahrer die Nacht über seine 12 Stunden-Schicht für umgerechnet 25 Cent den Kilometer um seinen Lebensunterhalt. Die Putzfrau wienert für 3 Euro die Stunde die Wohnung und beim Mittagessen kann man sich für 2.50 Euro schon den ganzen Wanst vollschlagen.
Gleichzeitig wird um die Türme aus Stahl und Beton Tag und Nacht, in der Woche und am Wochenende unermüdlich gebaggert, geschweißt und gebaut. Altes abgerissen und durch Neues ersetzt. Das Hinterland mit Schienen und Straßen erschlossen, die Flächen versiegelt und bewohnbar gemacht.
Es scheint mir ein China mit einer Dynamik zu sein, die für mich völlig unbegreifbar, für die Chinesen jedoch selbstverständlich wirkt.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen