Weiland der Schlagbohrer des Nachbarn mich wie jeden Tag um Punkt sieben an meine Ohrenstöpsel erinnerte, betrat durch den polyesternen Vorhang ein fast in Vergessenheit geratener Gast in mein Zimmer: Die Sonne hielt Einzug. Anfangs sehr zaghaft und kaum wahrnehmbar konnte man nun nach zwei Wochen wieder seinen Schatten erkennen.
Die Gunst der Stunde nutzend warf ich mich in meinen buntesten Dress, um am Fluss bei dem einen oder anderen Kilometer gleich auch noch ein bisschen Sonne zu tanken. Allerdings war ich nicht der einzige. Zusammen mit Heerscharen sonnendurstiger Mitbewohner der Stadt flutete ich die Promenade auf beiden Seiten des Flusses.
Überhaupt, wenn es in China etwas in Massen gibt, dann sind das Menschen. Auf den Straßen und Plätzen, in den Bussen, Läden und U-Bahnen. In Letzterer sorgen zu bestimmten Tageszeiten auch sogenannte Pusher für eine möglichst gründliche Ausnutzung des verfügbaren Raumes. Vor einer Woche sind wir auch einmal aus Guangzhou herausgefahren (eher gereist, die Fahrt dauerte selbst auf der Autobahn eine ganze Stunde, bis wir an die Stadtgrenze kamen), um in eine nahegelegene Stadt zu fahren, die viel grün und wenig Beton versprach.
Auf dem Weg passierten wir ganze Bataillone von Wohntürmen, in Reih und Glied direkt neben der Autobahn wurden sie am Stadtrand gefolgt von Baustellen, an denen Plakate von neuen, größeren, wuchtigeren Heimstätten kündeten. Aber auch in Zaoqing, Ziel unseres Ausflugs, war man nicht müde, den Himmel mit reichlich Stahl und Beton zu erklimmen. Unvorstellbar in Deutschland, wurde hier auf einer Fläche so groß wie die Kölner Innenstadt ein kompletter Finanzdistrikt vom Reißbrett aus dem Boden gestampft. Es fällt schwer, die Massen zu überschätzen.



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