Mittwoch, 26. März 2014

Life In Guangzhou - Hen hao


Wieder was gelernt. Da soll noch einer sagen, meine Leistung in der Vorlesung bestünde nur darin den Stuhl zu wärmen: In China spricht man nicht vom „Kopieren", sondern von der „adaptiven Innovation". So zumindest die Lehre aus der heutigen Vorlesung „strategisches Management". Nun wäre es gänzlich falsch zu denken, die Chinesen wären nicht innovativ (zumindest was das Essen angeht kann ich das nur bestätigen – Kartoffeln mit Honigkaramellkruste, Erdnuss-Mangopaste in frittierten Teeblättern; das ist jetzt zwar vielleicht kein Doppelkupplungsgetriebe, aber eindeutig einfallsreicher als die kulinarische Leistung in Form eines Schnitzelbrötchens. Wem das kulinarische nicht so zusagt, dem bleibt immer noch das in einem gewissen Sinne doch praktische und effiziente Duschklo).
Allerdings ist man hier nach wie vor sehr gut im adaptiven Teil. So kann man ohne Probleme einen Sack voll nicht ganz originaler Breitlinguhren, einen Schrank adaptiver Armani-Anzüge oder eine Kiste Ray Ben Brillen kaufen. Dabei ist dies für Guangzhou – quasi als Mutter der Textilhändler – letztlich nur ein netter Nebenverdienst. In den Stockwerken, weit über den Straßenläden voll Ray Ben, Armani und Breitling, werden im Großhandel ganze Kollektionen bestellt und abgewickelt. Die ausgestellten T-Shirts, Hosen, Kleider und Röcke werden hier gleich kartonweise verkauft (das merkt man spätestens dann wenn man sich fleißig durch die T-Shirts probiert hat und an der Kasse nur nach Kreditkarte und Containernummer gefragt wird). Heerscharen eifriger Arbeiter karren die Kartons gleich palettenweise durch die engen Gassen, zimmern mit flinken Händen aus Latten und Nägeln Kisten, die sie sodann direkt auf den LKW oder in Container laden.
Am Rande vielleicht ein zwei Sachen zum Einkaufen, die man beim nächsten China-Urlaub berücksichtigen kann: Schuhe ab Größe 43 (die gibt es hier zwar, allerdings ist man dabei nicht so genau und es handelt sich eher um eine gute 42), Käse (gibt es hier auch, aber eher in einer stark adaptiv-innovativen Version) und Haarspray (es steht zumindest auf der Dose, aber es hält nicht das was es verspricht bzw. halten sollte; es kommt was vorne raus und duftet recht gut, aber das tut Deo wohl auch). Während ich also in den immer gleichen Schuhen auf der Suche nach dem Käse suche, habe ich zumindest für das Haarspray-Problem eine Lösung gefunden.

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